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Speed Dating im Duell mit Slow Dating - Teil 1

Aktualisiert: 15. Okt. 2023

In diesem Blogbeitrag widmen wir uns der Dating-Trend der 90er Jahre, dem sogenannten Speed Dating. Wir beleuchten faszinierende Phänomene, die beim Speed Dating auftreten, und präsentieren deren psychologische Erklärungen.

Menschen bei einem Dating Events

Speed Dating - Die Mode der 90er Jahre: Beliebt aber realistisch betrachtet.


Das übliche Problem

Speed Dating erfreut sich immer größerer Beliebtheit in der Dating-Welt. Obwohl die Vorstellung verlockend ist, in nur 5 Minuten das perfekte Match zu finden, zeigt die Realität, dass dieser Ansatz selten zum gewünschten Ergebnis führt. Während Speed Dating einen leichten Weg zu schnelleren sexuellen Kontakte, ist es weniger effektiv, wenn es darum geht, tiefere und bedeutsamere Partnerschaften aufzubauen. Für diejenigen, die lediglich nach unverbindlichen sex-Kontakten suchen, mag Speed Dating eine Option sein, die ihren Bedürfnissen gerecht wird. Doch wenn es um die Etablierung wahrer, langanhaltender Partnerschaften geht, setzt sich unser Dating Konzept konsequent auf den Ansatz des Slow Datings.


Während des kurzen 5-minütigen Gesprächs beim Speed Dating ist es oft nur möglich, oberflächliche Eindrücke zu vermitteln und eine rein physische Anziehungskraft zu spüren. Natürlich haben diese Aspekte ihre Bedeutung, aber reichen sie bei Weitem aus, um die Übereinstimmung der Lebensstile und Persönlichkeiten angemessen zu beurteilen?

Oberflächliche Ansichten und körperliche Anziehung können erste Anhaltspunkte bieten, aber sie geben keinen tiefen Einblick in die Werte, Interessen und Lebensziele einer Person. Diese entscheidenden Faktoren sind jedoch entscheidend für den langfristigen Erfolg einer Partnerschaft


Große Auswahl, leichter verwirrt

Im Rahmen der psychologischen Forschung liefern Speed-Datings faszinierende Ergebnisse in Bezug auf die Partnerwahl und die Einschätzung von Attraktivität. Bedauerlicherweise sind die gewonnenen Erkenntnisse jedoch oft von Verzerrungen geprägt.

Im Jahr 2007 haben zwei britische Forscher, Alison Lenton von der University of Edinburgh und Marco Francesconi von der University of Essex, im Fachmagazin "Biology Letters" analysiert, unter welchen Bedingungen die Partnersuche beim Speed-Dating erfolgreicher verläuft. Dabei gelangen sie zu einer überraschenden Schlussfolgerung: Je größer und vielfältiger die Auswahl potenzieller Partner ist, desto geringer fallen die Chancen aus, den idealen Lebenspartner zu finden.

Wichtige Faktoren, die bei der Auswahl eines Lebenspartners eine entscheidende Rolle spielen, wie beispielsweise Alter, Beruf oder Religion, können zu einer Überforderung führen, insbesondere wenn die Auswahlmöglichkeiten umfangreich sind und sich diese Faktoren stark unterscheiden.

In zahlreichen Fällen waren die Teilnehmer derart verwirrt, dass sie sich nicht im Geringsten entscheiden konnten und sich vollständig von der Vorstellung eines potenziellen Traumpartners zurückzogen.


Der Geschlechts-Effekt beim Speed Dating

Spielen die Rahmenbedingung im Speed Dating eine Rolle? Die US-amerikanischen Psychologen Eli Finkel und Paul Eastwick von der Northwestern University in Evanston haben die Rahmenbedingungen vieler Speed-Dating genauer untersucht und das klassische „Design“ umgedreht um den Effekt der Geschlechtsunterschiede beim Speed Dating näher zu analysieren. In dem neuen Design des Speed Dating Events wurden Die Männer nun an den einzelnen Tischen platziert, während die Frauen zwischen den Tischen wechselten. Das Resultat war beeindruckend: Der Geschlechtseffekt wurde aufgehoben!

Während die männlichen Teilnehmer zwischen den Tischen rotierten, zeigten lediglich 43 % der Frauen Interesse an einem weiteren Treffen (im Vergleich zu 50 % der Männer). Als die Geschlechterrollen umgekehrt wurden und die Frauen die Tischwechsel vornahmen, sank das Interesse der Männer ebenfalls auf 43 %. Gleichzeitig konnte bei den Frauen eine leichte Steigerung verzeichnet werden, wobei die Wiedersehensquote auf 45 % anstieg.


Die psychologische Dynamik hinter diesen Ergebnissen:

  1. Ein wichtiger Aspekt ist hierbei zweifelsohne, dass die Person, die zwischen den Tischen wechseln muss, mehr Zeit und Gelegenheit hat, vom jeweiligen Partner genauer "beobachtet" zu werden. In den meisten Fällen, in denen die Frauen an ihren Plätzen verharren, haben die Männer möglicherweise nicht die Möglichkeit, die Frau in ihrer vollen Größe zu sehen. Diese zusätzliche Information könnte daher potenziell den Gesamteindruck beeinflussen.

  2. Der Mere-Exposure-Effekt: Dieser Effekt beschreibt die Neigung von Menschen, eine positivere Einstellung zu Personen oder Dingen zu entwickeln, die ihnen wiederholt präsentiert werden. Im Rahmen dieser Studie bedeutet das, dass die Person, die am Tisch verbleibt, den Eindruck gewinnt, von den wechselnden Teilnehmern des anderen Geschlechts "umworben" zu werden. Diese Wahrnehmung könnte ihr Selbstvertrauen steigern und möglicherweise dazu führen, dass sie anspruchsvoller in ihrer Auswahl ist – unabhängig von ihrem eigenen Geschlecht.

Fazit

In Schlussfolgerung ergibt sich, dass Speed Dating zweifelsohne eine spannende Möglichkeit zur Kontaktaufnahme mit potenziellen Partnern bietet. Nichtsdestotrotz zeigt sich bei genauer Betrachtung, dass die anfängliche Attraktivität des schnellen Kennenlernens oft von oberflächlichen Eindrücken geprägt ist. Die begrenzte Interaktionszeit begünstigt oberflächliche Wahrnehmungen und kann dazu führen, dass tiefgreifendere Aspekte der Persönlichkeit und gemeinsame Werte vernachlässigt werden.

Die Ergebnisse psychologischer Untersuchungen werfen faszinierende Fragen auf. Das Beobachten, wie Menschen in dieser dynamischen Umgebung Entscheidungen treffen, spiegelt tiefgehende psychologische Prozesse wider. Die Erkenntnis, dass die Rollenverteilung zwischen den sitzenden und rotierenden Teilnehmern die Wahrnehmung beeinflusst, verdeutlicht die subtile Art und Weise, wie verschiedene Faktoren unser Verhalten prägen können.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass Speed Dating zwar eine aufregende Chance darstellt, potenzielle Partner zu treffen, doch gleichzeitig bestimmte Beschränkungen aufweist. Bei der Bestrebung, tiefere Bindungen zu knüpfen und langanhaltende Partnerschaften zu schaffen, könnte ein bewussterer und bedachterer Ansatz wie das Slow Dating eine vielversprechendere Option bieten.



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